Montag, 25. März 2013
Schöne neue Welt und Dekadenz. Die Onlinewelt eines "unangenehmen Zeitgenossens"
Die Onlinewelt mit ihren sozialen Netzwerken ist wohl spannend, und auch ich tu mich von Zeit zu Zeit schwer, mich dem zu entziehen. Mal wieder den Rechner anschalten und mich in meiner alten Community einloggen. Nachdem ich mich dort ein halbes Jahrzehnt nicht mehr blicken ließ, stelle ich nicht wirklich überraschend fest wie die Technologisierung mit Smartphones, Tablet-PCs etc einhergeht. So stellt mir jeder alte Bekannte - nach dem er mich ordentlich zusammengschissen hat, warum ich mich so lange nicht blicken ließ - die Frage nach meiner Handynummer und ob ich WhatsApp habe. Ich sage "ich hab kein Smartphone". Erwidert wird meist "oh... schade. Warum nicht?". "Naja, brauch ich nicht." "Wär klasse wenn Dich irgendwer mal in unser Jahrhundert befördert..." wird dann gespottet. Ich krieg an der Stelle jedes mal den Knoten in den Hals. Ich will ja nun den Leuten nicht erklären müssen dass ich das alles ganz cool finde, aber garkein Bock drauf habe den ganzen Scheiss mitzumachen. "Ähh... wie meinst'n das??".
Die Menschen können ganz schnell um einen 'nen Bogen machen, wenn man damit kommt dass man auf diesen Elektronik-Konsum verzichten kann, wenn einem die Bilder der Suizidopfer von Foxcon im Kopf herumschwirren, oder jene Bilder eines eklatant riesigen Elektronikmüllhaufens mit überwiegen deutschem Schrott an der Küste von Ghana.
Doppelt gut kommt natürlich noch die Antwort bei der Frage "was haste die Jahre alles so getrieben?" und man Antwortet "joah... ich bin Vegetarier geworden". Man stelle sich die entgeisterten Gesichter vor den Monitoren/Handys vor, bei der Klarwerdung wie sehr sich ihr ehemaliger Homie doch jenseits von TrendyApps, TV - RTL2 und dem ganzen Rummel entwickelt hat.

Nun denn. Das alte Headset ausgepackt, angeschlossen und die Zusammenkunft im Skype gefeiert, nachdem man sich auch noch mit Facebook verbunden hat. Nach fünf Minuten der Session denke ich an Flucht. Jeder hat RTL2 eingeschaltet und debattiert und lacht, rülpst und furzt heftig. Mit letzterem kann ich ja noch mithalten, aber dennoch teile ich mit den Leuten nicht im geringsten das Interesse an TV. Noch weniger an Verblödungs-TV und sehne mich nach einem Buch und meiner geliebten alten Plattensammlung. Dennoch will man nicht als Spielverderber gelten und versucht das natürlich auszuhalten.

Am nächsten Tag, gehe ich wie jeden Morgen mit einem Kaffee und einer Kippe an meinen PC und schaue erstmal was sich bei meinen Polit/Musik-Abos auf Facebook so getan hat.
Direkt ganz oben an der Pinnwand knallt mir direkt ein schwarzer quadratischer Banner und weissen fetten Lettern mit jenem Spruch in die Fresse: ""Ißt das Fleisch von glücklichen Tieren? Na klar! Wir haben sie unter Drogen gesetzt und dann beim Fi?#en erschossen!" Als ich seh, dass das von einem Mädel der besagten Community kommt (der ich auch noch blöderweise in früherer Zeit etwas näher stand, triffts mich wie ein Faustschlag. Die Frage Warum!
Warum wird eine Plattform wie Facebook für so Schwachsinn mißbraucht? Warum bekommt jemand der da reinschreibt "heute gibt Schnitzel mit Pommes" tausend Likes und Comments und wenn ich die Onlinepetition gegen die privatisierung der Wasserversorgung poste, kommt da null???
Werden die Menschen mit wachsender technologisierung immer blöder? Ist das Gewollt von der Regierung? Brot und Spiele?

Ich fühl mich allein. Was soll's. Ich spring auf diesen Zug einfach nicht mehr auf, ich bin zu weit weg, mit dem Blick auf die Welt und den Sorgen von morgen.

Und wie war das überhaupt mit Rom? War dort nicht die Dekadenz "das" Zeichen für den Untergang einer Kultur?

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